Die Reeperbahn, das Rätsel und die Rezension – ein wahrer Fall aus den Culthouse-Ferienwohnungen

Sie kam allein. Eine Frau mittleren Alters, gebucht über ein großes Buchungsportal, checkte gegen 16 Uhr in unsere Ferienwohnung Culthouse Hamburg ein. Direkt auf der Reeperbahn, mitten im pulsierenden Herzen von St. Pauli – einer der bekanntesten Straßen der Welt. Der Reeperbahn. Weltberühmt. Umstritten. Einzigartig.
Doch das schien sie nicht zu wissen.
Trotz klarer Angaben im Inserat, trotz mehrfacher Nennung der Adresse in den Buchungsunterlagen – sie war schockiert. Schon beim Check-In ließ sie ihre Meinung laut und deutlich vernehmen. Sie fauchte meine Mitarbeiterin an, schimpfte über das "ekelhafte Viertel", nannte alle Frauen, die draußen unterwegs waren, "Nutten" – pauschal, ohne mit der Wimper zu zucken.
Meine Mitarbeiterin? Professionell. Unbeeindruckt. Freundlich wie immer. Sie ließ sich nichts anmerken. Kein Ton, kein Augenrollen, kein Kontra. Nur ein Lächeln, Schlüsselübergabe, und der Hinweis: "Falls Sie stornieren möchten – kein Problem, sagen Sie einfach Bescheid." Doch die Frau blieb. Wie gebucht. Eine Nacht. Kein Wort mehr.
Am nächsten Tag war sie verschwunden. Sang- und klanglos. Kein Abschied, keine Nachricht. Nur die Wohnung – und die sprach Bände. Sechs gewaschene Bettbezüge zusätzlich aus dem Schrank geholt. Insgesamt ACHT (!) benutzte Handtücher für einen Gast und 1 Nacht. Über jeden Stuhl, jede Couch, über jede Fläche war etwas gelegt – als wolle man mit der Einrichtung bloß nicht in Berührung kommen. Es war, als hätte sie sich versucht vor der Wohnung selbst zu schützen. Und dann: Stille. Bis zwei Tage später. Die Bewertung.
"Ekelhafte Unterkunft. Alles voll mit Spermien. Man konnte es riechen. Albtraum." 1 von 10 Punkten. Kein Vorwurf vorher, keine Nachfrage, keine Bitte um Reinigung oder Umzug – nur diese digitale Wutladung. Die erste derart schlechte Bewertung in unserer Geschichte. Und sie schlug ein wie ein Blitz. Warum?
Unsere Wohnungen sind stilvoll, modern, und absolut sauber – so steht es in so vielen positiven Bewertungen. Es gibt keine Prostitution im Haus nur: eben die Reeperbahn vor der Tür.
Warum bucht jemand eine Unterkunft auf einer Straße, deren Name man innerhalb von fünf Sekunden googeln kann – und ist dann entrüstet, dass sie ist, was sie schon immer war? Warum geht man nicht einfach, wenn man sich so unwohl fühlt? Hamburg ist groß. Alternativen gibt es genug. Und Booking.com? Wir sind gespannt. Denn das Portal entscheidet nun, ob eine völlig aus der Luft gegriffene Hassbewertung Bestand haben darf – oder ob Fairness, Realität und Wahrheit noch eine Rolle spielen. Der Fall bleibt offen. Doch eines ist sicher: Man kann vieles planen, vieles absichern, vieles vorbereiten – aber nicht damit rechnen, dass jemand sich verirrt – mitten auf der zweitberühmtesten Straße der Welt. Und dann die Schuld bei uns sucht.

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